Aus den Archiven
Dieser Beitrag entstand Ende Mai 2019 nach dem Barcamp Hannover und war für einen separaten Blog vorgesehen, der nie live ging. Hier meine damaligen Eindrücke.
Ein Blick über den Tellerrand: Rund 350 Teilnehmer zelebrierten am Wochenende ein Camp, welches seinesgleichen sucht. Dieses Jahr war ich erstmals dabei.

Im letzten Jahr habe ich das themenoffene Barcamp nur knapp verpasst und zugesagt, dass ich in diesem Jahr dabei bin.
Wie bei vielen Camps gab es auch bei diesem eine Warmup-Party, an der ich jedoch aufgrund der Anreise, nicht teilnehmen konnte. Somit ging es bei mir erst am Samstag so richtig los.
Ein reichhaltiges Buffet-Frühstück mit belegten Brötchen, Sandwiches, Kaffeevollautomaten und diversen bereitstehenden Getränken begrüßten alle Teilnehmer.



Aufgrund der Teilnehmerzahlen standen acht Räume mit sechs Zeitslots zur Verfügung. Trotz der hohen Anzahl an Slots füllte sich der Plan sehr schnell. Die Qual der Wahl war dadurch sehr groß. Eine Auswahl an Sessions, die ich besucht habe, stelle ich kurz vor.
Die Depression hat mich bestimmt, jetzt bin ich dran!
Markus erzählte uns von seiner Depression, was diese mit ihm angestellt haben, welche Probleme er dadurch bekam und was dazu führte, dass er heute damit leben kann und nicht mehr von seiner Depression beherrscht wird. Dies war ein sehr persönlich und ehrlicher Vortrag. Ich hatte nicht mit so einer Tiefe und Ehrlichkeit, die in diesen 45 Minuten stattfand, gerechnet.

Politik in disruptiven Zeiten
Der Youtuber Rezo hat ein Video („Die Zerstörung der CDU“) veröffentlicht in der er die Politik der aktuellen Regierung kritisiert. Die Reaktion seitens der Politik und der „klassischen“ Medien darauf und die Aussagen Rezos selbst waren Bestandteil einer hitzigen Diskussion, die von Jens moderiert wurde. In der Runde von rund 30 Teilnehmern befanden sich auch zwei CDU-Mitglieder, die nicht derselben Auffassung waren, wie die der Bundes-CDU – hier gebe es wohl auch ein massives Problem der Kommunikation zwischen Basis und Spitze.

Werbefrei Dank Pi Hole
In dieser Session stellte uns Phil die Werbeblocker-Lösung Pi Hole vor. Es gibt solche Blocker bereits für die gängigen Browser, aber was ist mit dem Smartphone, dem Smart TV oder der Alexa im Haus? Viele Geräte funken ungewollt nach Hause, in Apps auf dem Smartphone oder Tablet wird Werbung eingeblendet, nichts davon wird geblockt. Pi Hole ist hierbei eine Software, die man auf einem Raspberry Pi installieren kann und dann als DNS-Server im heimischen Netzwerk dient.
Über Filterlisten werden unerwünschte (DNS-)Anfragen nicht ins Internet weitergeleitet und somit verläuft z.B. eine Anfrage an einen Werbedienst ins Leere. Ergebnis: keine Werbung mehr.
In einer kleinen Live Demo zeigte uns Phil, selbst wenn er nicht zu Hause ist, diverse Geräte Anfragen ins Internet stellen.

2 Jahre Lastenfahrrad

Rolf Andreas hat sich vor zwei Jahren ein Lastenfahrrad zugelegt und ist seit dem nur noch damit unterwegs. Sein Auto hat er verkauft. Während im Hintergrund einige, teils auch kuriose, Bilder von seinen Transportfahrten durchliefen erzählte er über seine Erfahrungen. Es entstand eine kleine Fragerunde rund um das Thema Lastenfahrrad, verschiedener Modelle, Funktionen und ob z.B. eine Unterstützung durch einen E-Motor sinnvoll ist.
Balkonstrom

Jeder kann mit einer kleinen Anlage auf dem Balkon zur Energiewende beitragen. Carsten erzählte uns von seiner „Guerilla“-Photovoltaikanlage auf seinem Dach. Hierbei ging es nicht nur um den Nutzen einer solchen Anlage, sondern auch um den rechtlichen Rahmen sowie technischen Voraussetzungen, was beachtet werden muss und wie, wo und ob man eine solche Anlage beim Vermieter, Netzbetreiber oder Bundesnetzagentur anmelden muss.
Freifunk

Vincent und Carsten stellten uns das Projekt Freifunk vor. Viele der Teilnehmer hatten schon davon gehört, wussten aber nicht genau wie es funktioniert. Neben dem generellen Aufbau und Struktur ging es auch noch ein wenig in die Tiefe in dem die technischen Hintergründe und Funktionsweise erklärt wurden. Auch wurde deutlich, dass die Firmware von Freifunk auf sehr vielen Routern installiert werden kann. Am Ende der Session gab es auch gleich die Möglichkeit einen Router mit nach Hause zu nehmen.
Der Maker und sein Projekt
Vom Makerspace Leinelab stellten Andreas und Unterstützung aktuelle Projekte vor, die sie dort gerade bearbeiten. Es wurde als Beispiel eine ehemalige Zugzielanzeige der Stadtbahn in Hannover gezeigt. Über reverse Engineering konnte die Funktionsweise herausgefunden werden. Ein Arduino brachte so beliebigen Text auf die Anzeige.

Digitaler Nachlass

Was passiert, nachdem ich verstorben bin mit meinen digitalen Profilen im Internet oder meinem E-Mail-Account? Diese Frage beantwortete Conny in ihrer Session über den digitalen Nachlass. Hierbei handelt es sich um Fragen, über die man heute ebenfalls nachdenken soll. Denn vieles davon ist ja auch sehr privat und eventuell nicht für alle Augen und Ohren geeignet.
Artistic Intelligence – Ausstellung im Kunstverein Hannover
Als Nebenevent gab es am Samstagabend eine exklusive Führung durch die Ausstellung „Artistic Intelligence“ im Kunstverein Hannover. In dieser Ausstellung stellten elf Künstler ihre Werke aus, die sie mithilfe Neuraler Netzwerke, Algorithmen und Big Data erstellt haben. Dabei sind viele Werke dynamischer Natur, da sie sich ständig verändern. Beispielsweise sei hier „Memories of Passersby I“ genannt, bei dem sich immer neue Porträts aus einem Pool von neuralen Netzwerken generieren.






Was sonst noch war
Es war immer etwas los. Sei es vor der Fotobox oder auf den Gängen und auf dem Hof. Ein heiteres Treiben von Menschen. Viele nette Gespräche, viele Anregungen und Ideen.
Für die Sessionplannung am Sonntag wurde spontan ein Prototyp mit Timer und Buzzer zusammengelötet, welches die Planung etwas strafte.


Wie schon zu Beginn geschrieben: Sehr, sehr außergewöhnlich fand ich die Essens- und Trinkenversorgung. So eine vielfältige Auswahl hatte ich bisher bei keinem Barcamp gesehen.
Vielen Dank an alles Sponsoren, den Location Sponsor, den Organisatoren und Team, sowie allen Teilnehmen. Im nächsten Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei!
Anmerkung 2026: Für das Barcamp Hannover 2020 hatte ich bereits Karten. Es wurde abgesagt und auf das Jahr 2021 verschoben, ohne dass es dort stattgefunden hat. Seit 2019 gab es leider kein weiteres Barcamp in Hannover, was sehr schade ist.


